Müller

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 AUS KIRCHE UND WELT

Festschrift

zum 80. Geburtstag von Hanfried Müller

 

herausgegeben von Dieter Kraft

 

zum 4. November 2005

 

limitierte Auflage - Berlin 2006

published by

Brigitte Tiede

Druckerei Well

D-10367 Berlin

Josef-Orlopp-Straße 5

ISBN 3-00-018328-0

Inhaltsverzeichnis

Dieter Kraft

Vorwort des Herausgebers

9

 

 

 

 

§ 1  Gruß und Dank

11

 

 

 

Egon Krenz

Professor Hanfried Müller zum 80. Geburtstag

12

Wolfgang Clausner

Zum 80. Geburtstag von Hanfried Müller

14

Moritz Mebel

In Dankbarkeit herzlichst

17

Gerke Pachali

In diesem Sinn bitte weitermachen!

17

Fritz Teppich

Von gestrigen und künftigen Gipfeln

18

Peter Gingold

Außerordentlich hilfreich

18

Brigitte Müller

In meinem „Schatzkästchen“

19

Ingeborg Böttcher

Sehr erfreut und auch ein bißchen stolz

20

Gerhard Winter

Soeben habe ich nachgezählt

22

Erich Hahn

Hanfried Müller und Georg Lukács. Ein Grußwort

28

Klaus Eichner

Daß das noch viele Jahre möglich sein wird

31

Peter Bäß

Glück und Segen

31

 

 

 

 

§ 2  Jubiläumsgrüße aus Suhl und Erfurt

33

 

 

 

Renate Müller

„Evangelischen Dogmatik im Überblick“

35

Jochen Peters

Eine Danksagung

37

Christian Heinrich

Irrungen und Wirrungen

38

Gertrud Bauer

Ein unentbehrlicher Ratgeber und Begleiter

39

Ilse Dörffel

So machen mir die Beiträge Mut

39

Anneliese Weisleder

Kraft für meine politische Arbeit

40

Hans-Christoph Linke

Mit Respekt und Freude

41

Hannelore Heinrich

Unsere Exemplare kursieren laufend

41

 

 

 

 

§ 3  Weißenseer Blätter

43

 

 

 

Gisela Steineckert

Ja, ich las die Weißenseer Blätter

44

Klaus Steiniger

Der „RotFuchs“-Pate

49

Eva Ruppert

Christlicher Sozialismus? Eine persönliche Reminiszenz

51

Wolfram Triller

Wider die babylonische Verwirrung

55

Horst Jäckel

Spurensucher-Gemeinschaft

59

 

 

 

 

§ 4  Theologische Fakultät und Sektion Theologie

61

 

 

 

Christian Stappenbeck

H.H. - der gänzlich Uneitle. Mit einem Anhang

62

Berndt Winkler

Prof. Hanfried Müller zum 80. Geburtstag

72

Andreas Pangritz

„Die ‚Wende’ machte alle weiteren Überlegungen überflüssig.“

75

Joachim Rohde

Habent sua fata libelli

89

 

 

 

 

§ 5  Predigt und Auslegung

93

 

 

 

Dieter Frielinghaus

Im Bunde. Predigt über 5. Mose 7, 6-13

94

Constanze Kraft

Predigt über Offenbarung 4

98

Hartmut Drewes

Mittagsgebet im Bremer St. Petri-Dom am 3. Mai 2005

101

Renate Schönfeld

Predigt über Exodus 1, 6-22

103

Rudolf Weckerling

Gesegnet werden und Segnen

106

Ton Veerkamp

Das Scheitern des Messianismus und unser Scheitern. Eine Auslegung des Prologs des Johannesevangeliums

108

 

 

 

 

§ 6  Zur Theologie- und Kirchengeschichte

133

 

 

 

Hans Heinz Holz

Der dialektische Ursprung der Theologie aus der Apologetik

134

Dirk Kutting

Paul Schempp zur Möglichkeit und Unmöglichkeit religiöser Bildung

153

Ulrich Schneider

Evangelische Christen zwischen Kollaboration und antifaschistischem Widerstand

161

Hans Prolingheuer

Neues zur „Judenfrage“ im „sog. Betheler Bekenntnis“ von 1933

175

Horsta Krum

Jean Lasserre: Erinnerungen an Dietrich Bonhoeffer

187

Kurt Lüthi

Erinnerungen an Karl Barth

191

Hubert Mohr

Toleranz im Katholizismus

194

 

 

 

 

§ 7  Geschichte und Geschichten

203

 

 

 

Ulrich Krum

Die Geschichte von der Brücke

204

Herbert Vetter

Das Kriegsende, wie ich es als Zwölfjähriger erlebte

206

Monika Kauf

Ein wahrhafter Partisan

210

Gert Wendelborn

Krieg und westdeutsche Nachkriegsgesellschaft im Werk von Heinrich Böll

211

 

 

 

 

§ 8  Imperialismus und „Dritte Welt“

237

 

 

 

Ulrich Huar

Marx, Engels und die „Dritte Welt“

238

Carl-Jürgen Kaltenborn

Vitzliputzli oder die Erfindung Amerikas

254

Inge Viett

Auszüge aus „Morengas Erben“

265

Matin Baraki

Theorie und Praxis der nationaldemokratischen Revolution am Beispiel Afghanistans

284

 

 

 

 

§ 9  Friedensbewegung

311

 

 

 

Friedrich-Martin Balzer

Prison is not a bad place for observing human nature. Aus den Gefängnisbriefen von Klaus Fuchs und Emil Fuchs (1950-1959)

312

Klaus Ehrler

Was in einem Anti-Barbarismus-Programm nicht fehlen sollte. Erinnerung an vergessene und ungenutzte Chancen

327

Wolfgang Richter

Ein neuer Faschismus?

333

 

 

 

 

§ 10  Nach der Konterrevolution

341

 

 

 

Manfred Sohn

Über den historischen Optimismus

342

Peter Franz

Zur „Kirchenfeindlichkeit“ der DDR

348

Günther Lange

Heute noch überzeugender als schon vor 15 Jahren!

351

 

 

 

 

§ 11  Klassenkampf

357

 

 

 

Armin Stolper

Unsterbliche Opfer

358

Robert Steigerwald

1955 - 2005: Über 50 Jahre Wirkens von KPD und DKP

361

Hans Kölsch

Das Kräfteverhältnis im Kampf der Arbeiterklasse

368

Kurt Gossweiler

Gegen die Verfälschung der sozialistischen Freiheitsidee (1954)

386

 

 

 

 

§ 12  Marxismus und Sozialismus

403

 

 

 

Herbert Münchow

Die Aktualität von Marx in den heutigen Debatten um sozialistische Programmatik

404

Ingo Wagner

Das Bild vom Sozialismus heute und der Programmentwurf der DKP

419

Lisl Rizy / Hellmut Fellner

Für die Kommunistische Initiative

437

 

 

 

 

§ 13  Recht und Gerechtigkeit

441

 

 

 

Wolf-Dieter Gudopp-v.Behm

Notizen zu einem Vers von Solon

442

Erich Buchholz

Rechtsfragen des Potsdamer Abkommens zur Überwindung des Faschismus

449

Friedrich Wolff

Die Krise des Rechtsstaats - Ausdruck der Krise des Kapitalismus

480

 

 

 

 

§ 14  Politische Philosophie

495

 

 

 

Eike Kopf

Die Welt erkennen und uns verstehen und der Wahrheit dienen mit ganzer Kraft! Oder: Die werdende Realität erkennen und mitgestalten!

496

Werner Wittenberger

Friedrich von Hardenberg (Novalis) als frische Quelle auf dem Wege zum marxistischen Denken

511

 

 

 

 

§ 15  Nach Redaktionsschluß

539

 

 

 

Dick Boer

Über die Gemeinde

540

Hans Bauer

Ich möchte ehrlich bekennen

549

Matthias Kreck

Paul Kirchhofs Steuermodell - eine große wissenschaftliche Leistung?

550

Gerhard Feldbauer

Epochenwechsel in vorsozialistischer Zeit. Streiflichter zu Gestalten und Ereignissen

553

Margot Honecker

Gerne reihe ich mich ein

571

 

Vorwort des Herausgebers

Gewöhnlich läßt sich bei Herausgebern das Maß an Pflichten und Rechten nicht adäquat miteinander verrechnen. Eine Festschrift zum 80. Geburtstag von Hanfried Müller hebt aber bereits die Prämissen einer solchen Verrechnung auf; denn das Recht, im Vorwort dieser Festschrift als erster gratulieren zu dürfen, läßt den Gedanken an irgendwelche Pflichten gar nicht erst aufkommen, wiewohl der Herausgeber seinem theologischen und politischen Lehrer auf vielfältige und mehr noch in grundsätzlicher Weise verpflichtet ist. Ohne Hanfried Müller wäre es an der Theologischen Sektion der Berliner Humboldt-Universität kaum denkbar gewesen, in die Sukzession wahrhaft evangelisch-reformatorischer Theologie gestellt werden zu können und gleichzeitig - und ganz gewiß damit auch „irgendwie“ im Zusammenhang - politische Erkenntnisse und Überzeugungen gewinnen zu dürfen, deren dialektische Verbindlichkeit zu eindeutigen gesellschaftlichen Optionen führen mußte.

Als Hegel an die Berliner Universität kam, gab es Proteste von Studenten, die seinem schwäbischen Dialekt nicht folgen konnten. Als Müller auf einen Lehrstuhl berufen wurde, intervenierten gleich ganze Parteiungen, weil er mit seiner genuinen Dialektik nicht mehr nur interpretierte, sondern auf Veränderung insistierte. Dabei hatte er seine Maßstäbe stets so hoch aufgelegt, daß jedermann aufrechten Ganges unter ihnen hätte hindurchgehen können. Wer diese Anstrengung nicht scheute, der durfte sich glücklich schätzen, einen Lehrer und Kollegen zu gewinnen, dem die akademischen Würden einer Professur nichts, die konfessorische Profession eines Theologen hingegen alles bedeutet.

Hanfried Müller ist aus der Geschichte der DDR und ihrer evangelischen Kirchen nicht wegzudenken, zumal nicht mit seiner nachhaltigen Zuverlässigkeit, sich in Kirche und Gesellschaft niemals adaptieren zu lassen und ganz selbstverständlich eine Minderheit zu repräsentieren, wenn die Mehrheit abwegig wird. Unter kirchlichen Funktionären gewinnt man mit einer solchen Aufrichtigkeit ebenso wenig Freunde wie unter politischen. Wohl aber gewinnt man in Kirche und Gesellschaft Vertrauen bei all jenen, die unter diesen Abwegigkeiten gleichermaßen leiden.

Als Hanfried Müller vor 23 Jahren die „Weißenseer Blätter“ herausgab, gehörte er zu den ganz wenigen, die in den Abwegen sozialistischer Politik die Gefahr einer konterrevolutionären Entwicklung erkannten. Als 7 Jahre später die Konterrevolution den europäischen Sozialismus liquidierte, gehörte er zu der Minderheit, die in dieser „Wende“ eine weltgeschichtliche Katastrophe sahen und ihr bis zuletzt Widerstand entgegensetzten. Und er war zunächst fast der einzige, der in dieser Katastrophe nicht nur gegen den neuen und alten Opportunismus, sondern auch gegen Resignation und Entmutigung ankämpfte.

In der hier vorliegenden Festschrift haben sich Autorinnen und Autoren zusammengefunden, die ihm für sein einzigartiges Wirken danken möchten. Der Vielfalt der von ihnen behandelten Themen korrespondiert die Vielschichtigkeit an Beziehungen, in denen sie Hanfried Müller theologisch, politisch und auch biographisch verbunden sind.

Ganz sicher hätte es sich auch Peter Hacks nicht nehmen lassen, Hanfried Müller dafür zu danken, daß er „vermöge seiner Zeitschrift ‚Weißenseer Blätter’ die Kenntnis der Marxschen Theorie über die gedankenlose, die schreckliche Zeit der Konterrevolution hinweg“ gerettet hat - auch wenn der Hacks nicht hätte verstehen können, daß des Müllers „Weißenseer Blätter“ eigentlich nur eine Fortsetzung der „Evangelischen Dogmatik im Überblick“ mit anderen Mitteln sind, jedenfalls in dem Sinne, den Hanfried Müller bei Dietrich Bonhoeffer unter dem programmatischen Titel „Von der Kirche zur Welt“ aufzudecken wußte.

Es ist also durchaus stringent, wenn die Festschrift den Titel trägt „Aus Kirche und Welt“; und es ist im Gefälle der Müllerschen Bonhoeffer-Interpretation auch nur konsequent, daß nun die Beiträge „aus der Welt“ überwiegen.

Hanfried Müller besteht aus gutem Grunde unbedingt - und kategorisch wie kein anderer evangelischer Theologe - auf der prinzipiellen Trennung von Theologie und Politik, von christlicher Glaubenserkenntnis und wissenschaftlicher Weltanschauung. Und wahrscheinlich wird er auch die Apostrophierung der „Weißenseer Blätter“ als Fortsetzung seiner „Dogmatik“ nicht unwidersprochen hinnehmen.

Daß aber diese ihm gewidmete Festschrift äußere Ähnlichkeiten mit Müllers „Dogmatik“ aufweist[1] und zudem noch in eben jener Druckerei gefertigt wurde, die seit Jahren auch die „Weißenseer Blätter“ betreut, läßt sich vielleicht doch nur unter Hinweis darauf erklären, daß sich halt jeder Inhalt seine Form sucht. Und diesem Grundsatz kann nun nicht einmal Hanfried Müller widersprechen, nachdem seine Schüler ihn bei ihm nicht nur gelernt, sondern in Müllers theologischer und politischer Existenz geradezu verifiziert gefunden haben.

Zu dieser beziehungsvollen Eigentümlichkeit gehört ganz sicher auch, daß in dieser Festschrift der umfänglichste Beitrag zur Theologiegeschichte ausgerechnet von einem marxistischen Philosophen stammt und daß an der Stelle sonst üblicher „Bischofsworte“ der Gruß eines sozialistischen Staatsratsvorsitzenden a.D. steht - und der Dank des Westberliner Pfarrers neben dem des DDR-Obersts der Aufklärung.

So ist die Festschrift auch in dieser Hinsicht ein Unikat. Und gerade als ein solches widerspiegelt sie eine Wirkungsgeschichte, die in der deutschen Kirchengeschichte einzigartig ist.

Von Karl Marx ist zu lernen, daß man versteinerte Verhältnisse dadurch zum Tanzen bringt, daß man ihnen ihre eigene Melodie vorsingt. An Hanfried Müller ist zu erleben, daß sich neue Verhältnisse nur bilden, wenn die Reinheit und Klarheit des eigenen Cantus Firmus unter keinen Umständen preisgegeben wird.

 

Dafür danken ihm viele - aus Kirche und Welt.

 

 


 

[1] Die Hanfried Müller überreichte Festschrift ist im Layout identisch mit seiner „Dogmatik im Überblick“. Um den Selbstkostenpreis möglichst niedrig zu halten, wurde für den Druck der vorliegenden Ausgabe ein schlichter Paperback-Einband gewählt.